Archiv für Januar 2010

31
Jan
10

Huhn-Zitat

Der Waldbauernbub

Was sagt uns Peter Rosegger? Peter Rosegger sagt uns:

Wenn man spät abends an meinem nachbarlichen Wirtshause vorbeigeht, so kann einer am Küchenfenster – auch wenn er nicht zufleiß horcht – die Köchin schluchzen hören. Sie liest einen Roman und weint über das Missgeschick des Helden. Der Arme „derbarmt ihr halt gar a so“. – Dieselbe Köchin sagt am nächsten Morgen zum vor Angst kreischenden Huhn: „Geh, Hennderl, sei nit so sentamental!“ und hackt ihm den Kragen ab. – Ich ärgere mich über die durchaus ungesunde Empfindungsweise dieser Person, die das erdichtete Wesen bemitleidet und das wirkliche, fühlende umbringt. Und bin es doch selber, der den Roman geschrieben hat und der das Huhn verzehrt.

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31
Jan
10

Literarisches Zeugnis

Zur Gattung Kriminalroman

Der Stammtisch Unser Huhn bestätigt hiermit in diesen schweren Tagen, „da wo“ (F.Hölderlin) die Mehrzahl der Krimis sich durch die Lokalkoloritzen bumst, dem Herrn Edi Graf, daß der Herr Edi Graf der derzeit lachhafteste Lokalkriminalparodist ist.

31
Jan
10

Williamson Christ

Heiligsprechen

Gestern am Samstag hat der Stammtisch Unser Huhn ab halb elf auf dem Europaplatz vor seiner Papstgaststätte wie schon mehrfach einen guten Birnenschnaps ausgeschenkt, diesmal an die Teilnehmer der Demonstration gegen die Datensammelwut. Diesen Schnaps nennt er „Williamson Christ“, zum Andenken an den Piusbruder Bischof Richard Williamson, der mitsamt seiner Gemeinschaft von Papst Benedikt aus dem Status der Exkommunikation befreit wurde, nachdem er als Holocaust-Leugner hervorgetreten war. Nacheinigen kleinen Protestscharmützeln hatte er angekündigt, noch einmal über diese Frage nachdenken zu wollen. Das hat er jetzt offenbar getan. Pünklich um 10 Uhr 27 meldete „spiegel oinkline“ am Samstag, daß der Mann „die sechs Millionen Vergasten“ weiterhin für „eine Riesenlüge“ ansieht. Die Juden seien „dank der KZs Ersatzerlöser geworden“, sagt Williamson.

Die Piusbruderschaft scheint ihn irgendwie als „tickende Zeitbombe“ anzusehen, will ihn aber keineswegs ausschließen, alldieweil er sonst eventuell eine Gegenkirche gründen könnte. Wozu braucht die christliche Menschheit eine Gegenkirche? Wir schlagen stattdessen vor: Papst Benedikt XVI. soll den Bischof Williamson im Schnellverfahren gleich selig- und kurz danach heiligsprechen. Warum denn nicht? Bei Pius XII. und anderen wird es auch gehen. Wie durch Wunder.

30
Jan
10

Bannfluch

Wider die verderbten Abriss-Pläne

Papst Benedikt XVI. hat uns über seinen süßen Sekretär übermitteln lassen:

Mutter Kirche wird ihren Bannfluch gegen jeden richten, welcher der Papstgaststätte etwas zu Leide tun will.

Wer es wagt, die Hand gegen dieses Gebäude zu erheben,
muss 36 schmerzhafte Rosenkränze beten, mit Erbsen in den Schuhen.

Jede Baggerschaufel wird ausgeschlossen aus der menschlichen und kirchlichen Gemeinschaft und 100 Klafter tief in den Boden gehauen, bis sie beim höllischen Beelzebull landet.

Jeder mit der Sache befasste Baudezernent wird exkommuniziert, und zwar auch dann, wenn er der Mutter Kirche gar nicht angehört.

Wer auch nur scheel aus dem Augenwinkel darauf schaut, dem soll ein Hühnerauge wachsen von der Größe eines Straußeneis.

Wenn die Stadt Tübingen auf ihrem sittenwidrigen Vorhaben beharrt, wird der Vatikan in Verhandlungen mit dem Katholiken Günther H. Oettinger bzw. mit seinem Nachfolger Stefan Moppus treten, mit dem Ziel, die Papstgaststätte zu einem exterritorialen Ort, ähnlich dem Castel Gandolfo, zu machen – dann haben OB Palmer und BM Lucke hier gar nichts mehr zu sagen.

Den Vorübergehenden rufen wir zu:

Helft mit zur guten Stunde!

Tuet Bushaltestelle!

Selig sind die Siebenämtertropfen!

30
Jan
10

Datensammelwut

Demonstration

Was ELENA, SWIFT und ähnliche Datenabsauganlagen angeht, schließt sich der Stammtisch Unser Huhn dem amerikanischen Dichter Allen Ginsberg an, der schrieb und sang:

I don’t like the government where I live
I hate dictatorship of the rich
I don’t like bureaucrats telling me, what to eat
I hate policedogs sniffin‘ around my feet

29
Jan
10

Doktor Schweitzer

Ein Leitbild

Am Sonntag wird auf der Wanne auf Albert Schweitzers Schnurrbart herumgekaut. Bei einem Vortrag mit dem Titel „Der SchweitzerSchnurrbart als Wegbereiter einer neuen Menschlichkeit“. Es spricht der Vorstandsvorsitzende der AlbertSchweitzerSchnurrbartStiftung, der Herr Schulz heißt.
Deshalb zitiert der Stammtisch Unser Huhn ein Gedicht von Boris Vian.
Wir zitieren:

DOKTOR SCHWEITZER

Ob um Mitternacht oder mittags
Sie gehen mir auf den Wecker, Doktor Schweitzer.

(Dies die ersten zwei Zeilen)

Wenn Sie in die Legende eingehen
Ziehen Sie bitte Gummischuhe an
Ihre alten Trapperlatschen
Knirschen zu sehr auf dem Kies.

(Ja, die Trapperlatschen…)

Der Avantgarde der Spitzbuben
Legt man Ihren Heiligenschein um
Für wen eigentlich, Doktor Schweitzer, heilen Sie
Diese Neger
Die sie auflesen
Und die man morgen wieder ans Messer liefern wird?

(So geht es weiter:)

Bleiben Sie in Ihren Tempeln aus Nußbaum
Spielen Sie mit den Füßen Orgel
Üben Sie Bach, wenn es Ihnen Spaß macht
Aber Sie sollen wissen, daß Sie mir seit hundert Jahren
Weit und breit und quer
Ob um Mitternacht oder mittags
Auf den Wecker gehen, Doktor Schweitzer.
Es war wichtig, daß das mal gesagt wurde….

(Das findet der Stammtisch Unser Huhn auch.
Und vorderhand nichts mehr von Schweitzer….)

29
Jan
10

Aus Stammtischs Lyrik-Treteimer

Hölderlin findet
bundesweit Anerkennung

Gut, in Merkelburg-Vorp. ganz da oben
fühlt man sich mehr durch Hesse erhoben.

Und Thüringen lassen wir mal ganz außen vor,
die leihn dort Jopi Heesters das Ohr.

Die beckloppten Leut’ aus Rheinland-Pfalz
lieben aber ihren Hölderlin jedenfalls.

Die Muffländer, allen voran Lafontaine,
begunnen früh, ihn rückhaltlos zu verstehn.

Sämtliche Wowereitschen Berliner
sind seine ganz ergebnen Diener

Und nieder- und oberbayrische Bayern
wollen ihn hymnisch und sonstwie feiern.

Sowieso in Süd und Nord die Hessen
haben ihn (und den Goethe) gefressen.

Die Nordrhein-Westfalen, noch unter Rau,
mochten ihn schon. Wie die Sau.

Seit jeher werden die Sachsen
mit dem Hyperion erwachsen.

Man liebt ihn innig in Anhalt.
Er war schließlich auch aus der Anstalt.

Der Roland vorm Bremer Hauptquartier
steckt stets die Nas‘ ins H-Brevier.

Das beplatzeckte Brandenburch
knabbert sich durchs Gesamtwerk durch.

Es rufen die West- und Ost-Friesen:
Von Dichters wülln wi echt nur diesen.

(Der Südschleswigsche Wählerverband
ist bestens mit dem Dichter bekannt.)

Sogar im Landesteil Baden
werden Hymnen heruntergeladen.

Und klar, sämtliche knitzen Schwaben
rühmen sich seiner, d.h. ihrer Gaben.

Oettinger mit seinem Kasperle-Rüssel
trägt ihn jetzt weiter – nach Brüssel.