Archiv für Juli 2010

31
Jul
10

Deutsch als Staatssprache? Och nöö!

Deutsche Leitkultur? Nöö, nöö, nöö!

Was hört er da, der Stammtisch Unser Huhn? Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) will Deutsch als “Staatssprache” im Grundgesetz verankern. Was sagt der Stammtisch Unser Huhn (Papstgaststätte, Tübingen, Europaplatz) dazu? Nix. Nur “Och nöö!” (siehe Überschrift). Und zu einer “deutsche Leitkultur” mit „utschl-utschl“-Fähnchen? Ebenso: Nix. Nur “Nöö, nöö, nöö!”
Frage: Reicht das aus, um die belammerten Pläne angemessen zu beerdigen?

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30
Jul
10

Aus Stammtischs Lyrik-Treteimer

Aus Stammtischs Lyrik-Treteimer
Haschmi, genannt Hans Schmid: Eine Geistererscheinung

Haschmi (Hans Schmid). 1925 geboren. Autor von weit über 200 Büchern. Verleger. Buchgestalter. Maler. Politischer Aktivist. Wie weitgehend die “Tübinger Kultur” ihn vergessen hat, falls sie ihn je zur Kenntnis nahm!
Der Stammtisch Unser Huhn, Gründer der “Hans-Schmid-Gesellschaft”, verfolgt hartnäckig seine Forderung, dem Autor nachträglich den Hölderlin-Preis zu verleihen. Ein schon Jahren kollektiv verfaßtes Gedicht legt Zeugnis ab von seiner Bewunderung für Haschmi (Hans Schmid).

“Eine Geistererscheinung am Tübinger Anlagensee“
oder
Der Stammtisch Unser Huhn liest Hans Schmid

Der Stammtisch Unser Huhn trat
– es war im letzten Bücherherbst –
vor die Tür der Papstgaststätte
am Tübinger Europaplatz,
kein Minütchen vom Bahnhof.
Er hielt die sensible Nase
schnuppernd in den empfindungslosen Wind,
der vom Steinlachtal heranpfiff.
Und, es darf nicht verschwiegen werden,
der Stammtisch Unser Huhn roch etwas.
Nicht etwa Menschenfleisch, wie im Märchen.
Sondern Unheil.
Gepeinigt und gequält
rief der Stammtisch in den Wind,
der eine längst ausgelesene Zeitungsseite mit sich führte:
Hoffentlich kommt kein neuer Handke diesen Herbst!
Hoffentlich hat Härtling nichts hinausgehauen!
Hoffentlich hat Hochhuth nicht breit ausgehaust!
Hoffentlich hat Henzensberger nichts hergestellt!
Die angstvolle Bahnhofs-Unterführung quietschte dazu leise
und stieß eine fettleibige Geruchswolke aus.
Der Stammtisch Unser Huhn beschloss,
an seinen Tisch zurückzukehren
und noch eine Runde Sechsämtertropfen einzunehmen.
Da bog bei der Hauptpost
eine gebückte Gestalt um die Ecke
und kam langsam auf die Papstgaststätte und den Stammtisch zu.
Es war, jawohl, es war unverkennbar Bloch.
Ernst Bloch.
Nein, natürlich, es war sein Geist,
der gebückte Geist von Ernst Bloch,
der aber aufrecht ging.
Er zockelte an uns vorbei,
nahm im Vorübergehen die Pfeife aus dem Mund
und bellte kurz:
„Hoffen und Harren
macht manchen zu Narren!“
Der Stammtisch stand stumm und schwieg,
während die Geistererscheinung weitertaperte.
Richtung Anlagensee (heute Donnerbalkensee).
Der Nebel seines ordinären Knasters,
der Translanta hieß,
waberte noch ein Weilchen umeinander,
weiß wie die Haare unseres Papstes Benedikt.
Dann trat der Stammtisch Unser Huhn
wieder ein
und war sich einig:
Der gebückte Geist von Ernst Bloch
war vielleicht blind, sah aber irgendwie durch!
Und so hatte er auch dem Stammtisch
die Augen geöffnet.
Die Lehre hieß:
Wenn der Bücherherbst Unheil verheißt,
schließt euch fest zusammen!
Laßt euch nicht los, fühlt eure Herzen schlagen!
Der Stammtisch Unser Huhn hakte sich also unter,
schritt zurück in die Parkgaststätte,
orderte etliche Sechsämtertropfen
und eine erhebliche Anzahl Weizen- und andere Biere
und las gemeinsam in Hans Schmids Aphorismenband
„Gelahrter Spruchbeutel und brennbare Ketzersprüche“.

Sprüche wie:
„Zwei Beamte. Eine Kaffeepause. Vier Beamte. Acht Kaffeepausen. 8 Beamte. 2 Kaffeemaschinen.“

Oder:
“Wer den Teufel braucht, ist selber einer.“

Oder auch:
“Wenn Ihr Innenarchitekt bei Ihnen innen dunkel streichen lassen will, fragen Sie ihn nach der Höhe der zu erwartenden Lichtrechnung.”

29
Jul
10

Höllengespenster

Stammtischs archilochische Edikte

Unsere Archilochischen Edicte“, wie wir unsere launigen Beiträge „zur Deutung der Dinge der Zeichen der Zeit“ (O.F. Bollnow) zuweilen nennen, finden, obwohl, ungelogen, unser Gleitmittel reinweg die reine Liebe ist, beileibe nicht nur Wohlgefallen in der Welt. Kürzlich rief uns ein christlich inspirierter Mund zu: „Eure Lästerzungen werden die Höllengespenster ewig im Arsch lecken müssen.“ Aber freilich, das ging voll daneben: Damit würden nur unsere geheimsten Wünsche erfüllt.

28
Jul
10

Vom Buchstaben H

Eine Makame des Hariri
auf die syrische Stadt Hims

Friedrich Rückert

Heil’ge hohe Himmelsheimath, hehre Hims,
Heil! Du hast den Herrn zum Huldverheißer.
Heitre Hügel, heimlich hohes Haingeheg!
Höhn’ euch herb kein harscher Hauch noch heißer!
Holder Hirsche Heerde hütet hier der Hirt,
Hoffnungshalm erhabner Herrscherhäuser.
Heissa, hussa, hurra, hu, hihi, haha,
Halle heil, bis Herz und Hals ist heiser.

Rückert sagt in den Anmerkungen, daß die Stadt Hims, oder auch Emessa genannt, berühmt gewesen sei durch die „Zucht von Thorheitsgewächs und Narrheitsfrucht“. Insofern also durchaus Tübingen vergleichbar. Emessa, die im Altertum wohlbekannte Stadt in Syrien, ein arabisches Schilda, Schöppenstedt oder dergleichen.

27
Jul
10

Aus der Tierwelt

Der Stammtisch Unser Huhn über die Fische

Der Krächzerfisch

Ihm kommen unter Wasser Töne aus dem Hals.
Er macht allein oder im Club
mit vielen anderen Genossen:
Bub-bub-bub-bub-bub-bub-bub-bub.
Wer wünschte sich da nicht ebenfalls
Kiemen, Fischmaul und Flossen?

Robert Walser berichtete zwar: „Der Fisch trug nichts zur Unterhaltung bei.“ Aber was Gottfried Immanuel Wenzel über die Sprache der Fische schreibt, scheint veraltet. Sie sei „unstreitig unter allen Thiersprachen die unvollkommenste. Die Fische drücken sich nur durch leise Hauche aus, die man kaum vernehmen kann, die immer einerley sind; aber auch die Bedürfnisse des Fisches sind äußerst einfach, und in seiner ganzen Struktur zeiget es sich, das er nicht zum Redner gebildet ist. Nur wenig Beweglichkeit haben die Lippen des Fisches, einförmig macht sich sein Mund auf und zu. Er lebt im Wasser, das die Höhe seines Mundes immerdar ausfüllt, und eben kein Element ist, in welchem sich Gespräche führen lassen.“

Lichtenberg schreibt schon: „Wenn die Fische stumm sind, so sind dafür ihre Verkäuferinnen um so beredter.“

Viel früher dokumentiert Petronius ein Erlebnis auf einer Seereise: „Da schwamm ein Zitterrochen heran und erläuterte mit gewaltiger Beredsamkeit sich selbst.“

Dieser Zitterrochen ist sicherlich unter die Vorfahren des Stammtischs Unser Huhn zu rechnen. Dessen Existenz ist dem Stammtisch Unser Huhn Verpflichtung genug, seinen Plan, ein Museum für Gräten und Knorpel im Untergeschoss der Papstgaststätte (Europaplatz, kein Minütchen vom Bahnhof) einzurichten, noch zu seinen Lebzeiten in die Wirklichkeit zu befördern.

27
Jul
10

OB Palmer trifft ins Schwarze

Tübinger Grünschwarzbündelei

Um es noch nachzutragen:
OBBP sieht, wie neulich in der Südwestpresse stand, durch die Hamburger Koalition, die von Beust nach Schill zu Goetsch brachte, seine „Grundannahme“ bestätigt, „dass man mit der CDU gemeinsam Modernisierungspolitik machen kann.“ Die Verbindung geht mit Beust-Nachfolger Ahlhaus vermutlich schlagend weiter.


26
Jul
10

Hesses Hermann und Lindenbergs Udo

Zur Geschichte der Dichtkunst vom Herrn Zebaoth bis auf Hermann Hesse, den Autor der grundlegenden Schrift „Eine Bibliothek der Weltliteratur“, und den Sänger Udo Lindenberg

Im Anbeginne
schwebte der Geist Gottes über den Wassern.
Dann besah er die Welt und sagte:
Hier fehlt echte Bildung. Eine entsprechende Literatur.
Und Gott der Herr nahm viele Ribben und setzte sie zu einer Bibliothek zusammen.
Dort beschlief Gilgamesch Vedanta

und Vedanta gebar Bhagavadgita.
Bhagavadgita stieg mit Kin Ping Meh ins Bett

und sie gebar ihm viele Upanischaden.

Die Upanischaden zeugten Lü Bu We und Bi Yän Lu,

Gustav Schwab zeugte fernhinwirkend
sittsame Sagen des Klassischen Altertums,

Paul von Winterfeld zeugte

deutsche Dichter des lateinischen Mittelalters,

diese zeugten Cäsarius von Heisterbach,

Cäsarius aber wurde der Stammvater.

Cäsarius von Heisterbach zeugte Suso,

Suso Luther,

Luther Böhme,

Böhme zeugte Musäus,

Musäus zeugte Jung-Stilling.

Dann gings erst richtig in die Vollen.

Goethe zeugte Wilhelm Meister,

Wilhelm Meister zeugte Siebenkäs,

Siebenkäs zeugte Wutz,

Wutz zeugte Kater Murr,

Kater Murr zeugte Gockel, Hinkel und Gackeleia,
Gackeleia zeugte mit des Knaben Wunderhorn
Bettina, die leidige Bremse.
Bettina aber gebar alsbald Heinrich von Ofterdingen.
Heinrich zeugte Viktor von Scheffel,
Scheffel Eduard von Keyserling und Hermann Sudermann. Diese wiederum konnten, im Rausch befindlich,
nicht an sich halten
und wetteiferten um die In-die-Welt-Setzung von
Emil Prinz von Schönaich-Carolath einerseits
und andrerseits Ludwig Finckh, dem Rosendoktor.
Dann taten sich alle zusammen
zu wüster Orgie und zeugten und zeugten und zeugten, bis es am End‘
zu Hermann Hesse kam.
Dem Gartenlauben-Zarathustra.
Dem skandalös harmlosen Schriftsteller.
Dem Zockersüßen.
Als er 1962 schließlich starb, schlüpfte
seine Seele sanft die Flügel breitend
in geeignete Partner.
Zum Beispiel in den jungen Udo Lindenberg,
der danach lange Zeit
als zockender Steppenwolf fungierte.

Was sagt eigentlich der liebe Gott
zu der Entwicklung?
Er zitiert Robert Walser:
„Wie Hermann Hesse
mitunter tut, mach ich nun eine dumme Fresse.“

Geht hin und tuet desgleichen.