Archiv für November 2010

30
Nov
10

Die Stumme Kalligraphin

2011: Luther ist uns weit voraus.

Advertisements
30
Nov
10

Die Lösung: Männerbordell für den Tübinger Europaplatz

Stammtisch Unser Huhn legt Studie vor


Der Tübinger Gemeinderat hat neulich diskutiert. Nicht über die Korea-Krise, nicht über die Lage im südlichen Eismeer. Sondern über eine „Markt- und Standort-Studie“, die sich in Bezug zum Europaplatz setzte. Ob die Tübinger Innenstadt neue Handelsflächen vertragen könne, ward gefragt. Ja, hieß die Antwort. Und wo? Am besten am Europaplatz! Ja, genau da wo die Papstgaststätte steht, die sich im Besitz der Stadt befindet. Der Versammlungsplatz der orthopädischen Anstalt für arme Menschenseelen, des Stammtischs Unser Huhn.
So ungefähr
10 000 000 Quadratmeter neue Handelsflächen sollen hier entstehen, wo heute noch die Busse fahren. Diese Schundansicht sei, so heißt es, „seit längerem zentraler Baustein von OB Boris Palmers „Projekt Innen:Stadt!“ Deshalb hat die Stadt Tübingen die Münchener Marktforschungsgesellschaft „BulwienGesa“ beauftragt, für
32 000 Euro zu untersuchen, „welche Auswirkung die Ansiedlung neuer Handelsflächen auf die bestehenden Geschäfte in der Altstadt und am Zinser-Dreieck hätte.“
Herr Andreas Gustafsson, der den Kram vortrug, ließ herauskommen,
dass am Europaplatz ein „moderner Lebensmittelmarkt“ fehlt, ein Drogerie- sowie ein Elektronik-Fachmarkt sowie auch und gerade ein Modehaus. Die allseits ausgewiesene Ökonomin Helga Vogel (AL/Grüne) belobigte das Gutachten. Es „enthält viele neue Impulse“ (so wörtlich!), sie sieht den Europaplatz als „gute Möglichkeit, um neue Kunden nach Tübingen zu ziehen“. Gottfried Gehr (WUT), meldet dcie Lokalzeitung, habe gleich konkrete Vorschläge gemacht: „Wir sind bei Möbeln total unterversorgt.“
Aber “wir” sind auch in mancherlei anderen Bereichen nicht besonders gut bestückt.
Der Stammtisch Unser Huhn
schlägt deshalb für den Europaplatz ein zünftiges Männerbordell vor, nach antikem Vorbild. In der späteren Kaiserzeit nahm bekanntlich die männliche Prostitution Ausmaße an, die wir hier in und um Tübingen kaum glauben können. Neben der freien Prostitution, die vor allem an der Via Subarana, am Mons Esquilinus, am Vicus Patricius und an der Porta Trigemina betrieben wurde, gab es päderastische Bordelle in den Theater und Zirkushallen. Wirtshäuser offerierten ihren Gästen junge Burschen als passive Lustknaben oder muskulöse, behaarte Männer als aktive Liebhaber. Wir fragen: Wo gibt es heute solche Wirtshäuser in und um Tübingen?
Nirgends!
Wo könnten sie hinpassen?
Klar, an den Europaplatz!
In die Nähe der Papstgaststätte.

Hegel übrigens wäre sicher damit einverstanden gewesen. Er sagte, es liege in der Knabenliebe eine edle Verschmähung des Weibes und sie deute darauf, daß ein Gott neu geboren werden sollte.

29
Nov
10

Berlin-Korrespondent, Hermann Hesse, Corto Maltese u.a.

Klingsor malt den Herbst

Die Bäume schließen ihre TAUSEND AUGEN und ihr Blick richtet sich auf DAS WAS IST.
Den Jahresring.
Sehen heißt die Augen schließen.
Und die Schnittblumen lesen jetzt auf dem Fensterbrett überm Heizkörper Hermann Hesse.

Wer jetzt kein NIKO - LAUS ist, der sieht das Volk verlieren.
Seine Zähne. Seine Bandscheiben. Sein Geld. Die kleinen Vermögen.
Wer jetzt Schnittblume ist, der landet auf dem Komposthaufen.

Und der Gartenlauben - Zarathustra pfeift das alte Whistler - Lied und wandert ohne Rast und Ruh in den Alleen hin und her, wenn kühn der Zins die nächste steile Kurve nimmt.

Und DU - wo bist DU?
Du hast einen frischen Federweissen im Keller und einen Zwiebelkuchen im Ofen und willst die Seele wärmen.
Du lädst den nebelfeuchten Hermann Hesse ein und den heimatlosen Corto Maltese, den Kapitän ohne Schiff.
Doch der Dichter hat nicht frei im Hades und Corto ist dem AUFSTAND auf der Spur.

Nur Fritz Walter kann kommen.
Aber nur, wenn er den Professor SINN vom IFO - Institut mitbringen darf, weil der den Wunder - Glauben hat.
Ja dann, nur dann erzählt der große Kapitän vom Betzenberg
noch einmal das
WUNDER VON BERN.

29
Nov
10

Zur Verteidigung von Robin Goodfellow

Kein Maulwurf hat das FDP-Mitgliedsbuch

Jetzt ist das Palaver groß über „Enthüllungen“, die nur offenlegen, was eh alle wissen. Es ist dabei aber die Rede von einem „jungen Mann“ in der FDP, der als Informant gedient habe. „Maulwurf“ wird dieser genannt. Was immer es gewesen ist, was mitschrieb: ein Maulwurf jedenfalls nicht. Das wollen wir nicht dulden! Ein Maulwurf ist denn doch zu ehrenwert, um solch einen Dreckhaufen umzuwühlen. „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ hat kein einziger Maulwurf jemals daran gedacht, in der FDP Unterschlupf zu finden.

Der Stammtisch Unser Huhn erinnert nur an die Rede von Karl Marx auf der Jahresfeier des "People's Paper" am 14. April 1856 in London: „In den Anzeichen, die die Bourgeoisie, den Adel und die armseligen Rückschrittspropheten in Verwirrung bringen, erkennen wir unsern wackern Freund Robin Goodfellow, den alten Maulwurf, der so hurtig wühlen kann, den trefflichen Minierer - die Revolution.“

(
in: MEW Berlin 1961, Bd. 12, Seite 4)

28
Nov
10

Tübinger Bund des Gleichens

Heute: Der Zaunkönig und der Stammtisch Unser Huhn

Der Zaunkönig, unser kleinster Vogel, lebt höchst einsam, sein Moosnestchen ist schwer zu finden, und doch ist er stets heiter, lustig und singend und ein König.
Insofern gleicht er durchaus dem Stammtisch Unser Huhn.
Der Stammtisch Unser Huhn besitzt allerdings die Fähigkeit, sich auch in den Ibis zu verwandeln, in einen zerzausten Kuckuck oder in eine große, schwere Nebelkrähe.

 

28
Nov
10

Der Hosenpopler in der Neckargasse

Zu bestimmten Fragen der Literatur

In der Tübinger Neckargasse haben wir einmal einen Mann beobachten können, einen älteren Mann in einer schlabberigen Hose, und einem feingerippten, ehemals weißen Unterhemd. Er trug eine dicke Hornbrille und eine Aldi-Einkaufstüte. Wir gingen vom Holzmarkt aus hinter diesem Mann her, als er in die Neckargasse einbog, und konnten, in der Höhe des ersten Abfalleimers an der Stiftskirchenmauer beobachten, wie er die rechte Hand hinterwärts in die schlabberige Hose steckte, und während des Gehens in ihrer Tiefe herumpuhlte. Beim zweiten Abfalleimer, oberhalb der Bank, blieb er stehn, zog die Hand heraus, roch daran, lächelte beseligt, trat an die Stiftskirchenmauer, wischte seinen dicken Mittelfinger daran ab und schritt weiter, einem unbekannten Ziele zu

Peter H., Peter P. und alle diese Menschen, die guten Willens schreiben, mögen uns verzeihen, aber diesen Hosenpopler finden wir noch wesentlicher erregender, tausendmal poetischer, ja sogar storchmillionmal rätselhafter als alle ihre Werke.

Was wollte uns der Hosenpopler sagen?

 

27
Nov
10

An alle „Wort-zum-Sonntag“-Schöpfer

Kleine Mitteilung

Im Bewusstsein, dass es zwecklos ist, teilen wir vom Stammtisch Unser Huhn, der frömmsten Einrichtung in der Stadt Tübingen, allen Autoren von „Worten zum Sonntag“, in welcher auch immer sie dieselben der Menschheit unterjubeln wollen, einen Satz von Johann Gottfried Herder mit, den wir der besseren Fassbarkeit zudem noch in acht Zeilen darstellen:

Das Wort
ist so anzusehen,
als ob es
die dauerhafteste,
die stillste,
die wirksamste
Gottesanstalt
wäre.


Jetzt seht halt selbst dazu, ihr lieben Leute.