Archiv für April 2011

30
Apr
11

Tübinger Dichter über Hölderlin

Eine höhere Leistung

Hölderlin ist 1841 gestorben. Seither sind ziemlich genau 62050 Tage vergangen. So ungefähr zumindest. Jeden Tag davon hielt die Stadt Tübingen mit dem Dichter irgendeine Art von Umgang ab, gab einem Umtrieb Raum, setzte etwas in Umlauf, verpasste einen warmen Umschlag, machte Umschweife oder keine Umstände, startete gar einen Umtrunk. Und so weiter.
Natürlich kann der Stammtisch Unser Huhn nicht jeden dieser Tage bis ins Detail schildern. Aber was geschah zum Beispiel Tübingen, den 30. Juni 1881? Nun, da schrieb Christian Späth, Ochsenmetzger und Poet, das folgende Gedicht, das wir ohne Kommentar wiedergeben:

Friedrich Hölderlin

O großer Geist! Verweil bei uns
Zu jeder Zeit und mancher Stund',
Nun Friedrich Hölderlin erschein,
Möge deine Kraft auch bei uns sein.

Du hast gesungen, “Deutschland” Lieder,
Dein Ideal! Partheisucht stets zuwider,
Ergeben höherer Welt, hoch über Sternen,
Dein Geist wird sich auch nicht entfernen.

In Hyperion und Griechenland,
In höhern Räumen schön verwandt,
Sind neu erwacht für unser Leben,
Zum hohen Ziele stets zu streben

Dir sei stets unser Dank gesagt,
Dein Werk hast du so schön vollbracht,
Der Welt so viel verkündet,
Eh‘ dich die dunkle Nacht verblendet.

Als Jüngling schön in unsern Mauern,
Bis dich erfaßt der Wehmut Schauern,
Bliebst du bei uns am Neckarstrand,
wo ich als Knabe dich gekannt.

Nein, nein! Ich werd‘ es nie vergessen,
Wie Du mit Schritt und Tritt gemessen,
Als ich zum Erstenmal dich sah
In Zimmer’s Haus, dem Neckar nah.

Dein Asyl allda noch gefunden,
Ertragen hier die trüben Stunden,
Vollendet deinen langen Lebenslauf,
Bis dich auch nahm der Himmel auf.

Unweit der Aula schönen Räumen
Möcht‘ uns dein Geist in Liebe träumen,
Dort in dem grünen Garten Hain,
Wo steht Hölderlin’s schöner Stein.

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29
Apr
11

Oben ohne


In der Papstgaststätte

Adorno, so heißt es, hatte für die protestantische Theologie „kein Organ“, so wie, laut Professor Galletti, Kaiser Napoleon I. für „die Liebe“ keines hatte. Theodor Wiesengrundnanntesie eine „oben ohne“. Ja, wenn ihre Kirche keine Orgel hätte, so wäre die evangelische Religion bekanntlich überhaupt gar keine. Wir vom Stammtisch Unser Huhn sind deshalb froh, daß wir die ehemalige Parkgaststätte in Papstgaststätte umbenennen konnten und nicht „Evangelische Landesbischofsgaststätte“ zu heißen gezwungen waren. Halleluja, Papst Ratzinger!

28
Apr
11

Naturkatastrophen, Aprikosenkuchen, Tübingen u.ä.

Immer aktuell: Papst Benedikt XVI.

Der Papscht dechiffriert das Erdbeben, den Tsunami, den Reaktorbruch, die Tornados in Amerika und dergleichen mehr. Über Naturkatastrophen sagte er schon viel früher,als alles passieren tat, gleichsam als Prophet auftretend: „Diese können auch eine Ansprache Gottes werden. Gerade in Katastrophensituationen kann er plötzlich hereinbrechen, wenn ich wach bin und wenn mir auch jemand hilft, das zu dechiffrieren.“ Gott bricht herein, und Joseph Ratzinger folgt auf dem Fuße, Wohlgemerkt, noch als Kardinal, in dem Buch „Salz der Erde.“ In welchem auch viel über seine Zeit in Tübingen steht.Beim Besuch von Minischterpräsident Stefan Mappus in Rom, zur Privataudienz im Vatikan, hat der Papscht ihn gefragt, ob es denn in Tübingen noch den guten Aprikosenkuchen gebe, den er früher in der Gaststätte auf dem Europaplatz so gern, im Verein mit der gleichbleibend guten Tasse Kaffee, mit gutem Hunger verzehrt habe.
(Draußen nur Kännchen!)

Mappus wusste gar nichts davon.
Auch deswegen wohl wurde er abgewählt.

27
Apr
11

Man frägt sich, was das wieder soll?

26
Apr
11

Hölderlins Vesperdose

25
Apr
11

Tübinger Bund des Gleichens

Was den Stammtisch Unser Huhn mit J.W. v.Goethe und „Tübingen liest“ verbindet

Goethe hat nämlich die Aufforderung erlassen: „Auf, meine Herren! trompeten Sie mir alle edle Seelen aus dem Elysium des sogenanndten guten Geschmacks, wo sie schlaftruncken, in langweiliger Dämmerung halb sind, halb nicht sind, Leidenschafften im Herzen und kein Marck in den Knochen haben; und weil sie nicht müde genug zu ruhen, und doch zu faul sind um täthig zu seyn, ihr Schatten Leben zwischen Myrten und Lorbeergebüschen verschlendern und vergähnen.“
Auf also, meine Herren! Und Damen natürlich auch…
Der Stammtisch Unser Huhn lädt ein:
Am Donnerstag, den 28. April, abends um 20 Uhr, geht es uns, bei „Tübingen liest“, also im Vorprogramm des im Mai heran kommenden Bücherfestes, in der Volkshochschule in Tübingen in der Katharinenstraße um die Frage:

HÖLDERLIN WO?

Wo geht es hier zu Hölderlin? Fragen die Touristen in Tübingen. Ja, wo? Wie ist Hölderlin im Alltag der Stadt „präsent“? Was macht Marketing mit dem armen Irren? Was zeigt die Schau auf popularisierende Stocherkahn-Schipperer und provozierende Aktionskünstler, auf die Produkte von Hochtonlyrikern und Kitschromanciers? Was tut Hölderlin in der Lokalzeitung und in den Leserbriefen des Bürgersprachrohrs? Ein weihevolles Kapitel heißt „Hölderlin im Tübinger Buchhandel“. Intime Details sollen zutage treten, Alltagsdinge wie des Dichters Strumpf, Taschentuch und Grombierenschüssel werden aufgefahren, ein erschütternder Blick wird ins Gästebuch des Turmes geworfen. Und was sagt die schwäbische Hausfrau über Hölderlin? Als Höhepunkt kommt die Liste der Mitglieder der Hölderlin-Gesellschaft zur Verlesung.
Der Stammtisch Unser Huhn ist bekanntlich seit langen Jahren selbst Mitglied der Hölderlin-Gesellschaft.

Besonders trefflich finden wir übrigens jene Verse, die gröblich gegen den guten Geschmack verstoßen.


24
Apr
11

Kehret um!

Wir müssen wahrscheinlich umdenken, ehe es eventuell zu spät sein könnte!

Wie die Alleinherrschaft des Wirtschaftsdenkens im öffentlichen Leben mit seiner Dämonie auch die Einzelnen angesteckt hat, dafür ein Beispiel aus dem Leben. Ein Betrunkener lag in der Neckargasse auf dem kalten Boden. Ein Mitleidiger hob ihn auf, aber immer wieder entglitt er ihm, sodaß der Betrunkene vom Straßenkot über und über beschmutzt war. Und was war das erste Wort, das er hervorbrachte?

„Jetzt…muß man…a…zu mir…Sie…sagn…Jetzt hab i a a große Zech‘ gmacht.“

Er sah nicht seinen entwürdigenden Zustand, er sah nicht, daß ein solcher Weinrausch kein Vergnügen sei, er sah nichts als das Geld, das er ausgegeben hatte. An der Höhe seiner Zeche maß er den Wert seines Vergnügens, maß er überhaupt seinen eigenen Wert. Ja, weil er eine große Geldausgabe gemacht, wenn auch noch so sinnlos, müsse man „Sie“ zu ihm sagen, d.h. nun könne er allgemeine Achtung beanspruchen.

Wir wollen diese Geschichte unkommentiert stehen lassen.
Aber: wer sie andenkt, gar durch sie hindurchdenkt, wird der
uns nicht zustimmen müssen, wenn wir sagen: Sie riecht stark nach dem Weltethos-Weihrauchduft, den Hans Küng um sich verbreitet? Der alte Tabu-Panzerknacker…