Archiv für Juni 2011

30
Jun
11

Von Ja und Nein

Alle Deutschen sagen Ja?

Als die heutige Rede des Linke-Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi in der Bundestagsdebatte über den Ausstieg in den letzten Zügen lag, sagte er immerhin noch: “Wir können dem Ganzen nicht zustimmen.” Eine durchaus achtbare Parole.
Worauf allerdings Fraktionsvorsitzender Volker Kauder (CDU/CSU) einen Zwischenruf machte: “Mit Nein beginnt gar nichts!” Er meint, zum Ganzen könne man nur Ja! Sagen. Man sollte diesem Mann das Maul ausstopfen, vielleicht mit einem Roßbollen.
Jedenfalls sind wir da sehr anderer Ansicht.

Lautete nicht schon eine Volksabstimmungsparole der Nazis: Alle Deutschen sagen Ja!”

Und sagt man nicht: „Wann der rechte Joseph kommt, sagt Maria Ja.“ Aber nur dann.

Solange geben wir vom Stammtisch Unser Huhn unserem Schnurrbart-Freund Günter Grass recht, wenn er sagt: “Anlaß zum Nein bietet sich alle Tage.”

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29
Jun
11

Mensch, ist das ein Dasein

Der Protopope spricht

Ja, der Protopope, der altrussische! Der Avvakum! Hat er vielleicht recht?

Das sagt er:
"Ist doch der Mensch gleichwie nichts; seine Tage gehen dahin wie ein Schatten, er hüpft umher wie ein Bock, bläht sich auf wie eine Blase, faucht wie ein Luchs, frißt sich den Bauch voll wie eine Schlange, wiehert beim Anblick eines fremden Weibes wie ein Hengst, ist tückisch wie der Teufel; hat er seine Begierden gestillt, so schläft er, wann und wo ihn der Schlaf überfällt---"

Na, dann gehen wir eben auch zu Bett.

29
Jun
11

ZUr Erinnerung

Für alle

Am 14. Januar 1919 hat Rosa Luxemburg geschrieben: „Eure Ordnung ist auf Sand gebaut.“

28
Jun
11

Aus der Schüttelreim-Sammlung

Dada


Der Nitter splackt.
Das Splatter nickt,
wenn splitternackt
die Natter splickt.

Schüttelreime. Sind von Erich Mühsam, dem von deutschen Männern Erschlagenen. Am 10. Juli 1934 von der SS-Wachmannschaft des Konzentrationslagers Oranienburg.
Und noch der
Eisenbahnroman:

Sie brauchten nirgends umzusteigen.
Drum gab sie sich ihm stumm zu eigen.
Doch weil verkehrt die Weichen lagen,
fuhr man sie heim im Leichenwagen.

Erinnert irgendwie an die Koalitionäre in Stuttgart und ihre Bahnhofsgeschichte. .

27
Jun
11

Wie geht Goethe-Begegnen?

Der Stammtisch Unser Huhn als Benimmlehrer

Tübingen ist nicht nur die Stadt mit der weltweit höchsten Weltethosaußenhandelsbilanzrate, Deutschland insgesamt ist nicht nur Papst, sondern hat auch den größten Dichtbrahminen hervorgebracht. Das erlegt zunächst „uns allen als Deutschen“ (Bundespräs. Wuff) und dann überhaupt „allen Menschen guten Goethe-Willens“ (Albert Schweitzer) eine große Verpflichtung auf. Der Umgang mit einem solchen „Megatherium der Menschheit“ (E. Friedell) ist eine heikle Sache. Wer dem Geheimen Rat durch irgendeinen glückhaften Umstand persönlich zu begegnen die Gelegenheit hat, sollte sich deshalb der Beachtung einiger Grundregeln dringlich und treulich befleißigen.

1) Goethe darf nur unbewaffneten Auges gegenübergetreten werden. Brillen, Kneifer, Lorgnetten, Mikroskope und Fernröhre sind dem Kammerdiener auszuhändigen, bis der Besuch beendet ist. Brillen konnte der „größte Deutsche“ (F.Engels) auf den Tod nicht leiden.

2) Gespräche über Hunde oder gar das Mitführen derselben sind nicht ratsam. Unser „nobilitierter Teppichhändler“ (A. Schmidt) erklärte die Bellozisten für unerträgliches „Weltgesindel.“

3) Man sollte weder im Leichenwagen vorfahren noch als Leiche an die Türe klopfen. Alles, was nach Tod aussieht, riecht oder schmeckt, kann im Umkreis des „Jupiter stator“ (Graf von Deinhardtsein) nicht geduldet werden.
4) Wer wie Sir Isaac Newton aussieht, darf ihm nicht zu nahe kommen, sonst kann es sein, daß „der Alte“ (W. von Humboldt) ihm die langen Eselsohren auf dem Tische festnagelt. Aus Gründen der Farbenlehre.

5) In der Konversation ist das Wort „Basalt“ so fern wie möglich halten. „Der Riesenarsch“ (Jakob Haringer) haßte als entschiedener Neptunist diesen „verfluchten Mohrenkopf aus der unterirdischen Polterkammer“ aus tiefstem Herzen. Trat sogar drauf: „Da streckt schon wieder der verfluchte Mohrenkopf sein Haupt hervor!“ Man gebe sich nicht als Vulkanist zu erkennen.

6) Die Frage: „Wie geht’s denn dem alten Pustkuchen so?“ vermeide man während der Unterredung mit dem „Olympier“ (W.Bode) tunlichst. Friedrich Wilhelm P. erregt als juckende „Walfischlaus“ höchsten Unmut. „Ein Gleiches“ (Goethe) gilt für die Herren Karl August Böttiger und Zacharias Werner. Wer sie bisher nicht kennt, sollte die Namen dieser Spottgeburten sogleich wieder vergessen.

7) Für Schauspieler gilt: Die neumodische Sitte, beim Auftritt vor die Hand in den Busen zu stecken, ist gänzlich zu unterlassen. Die Weiber hingegen sollten ihre kleinen Beutel beiseite legen. Das hat „der Gott“ (Jean Paul) selbst vor Jahren so festgelegt.

8) Begegnet man im Haus am Frauenplan seiner Frau Christiane, wolle man sie unter keinen Umständen „Du fette Blutwurst!“ titulieren. Sonst riskiert man, wie einst Bettine von Arnim umgehend von der Schwelle verwiesen zu werden.

9) Kegelbahnbesitzer und Strumpfwirker seien gewarnt: Goethe wird wegen der beständigen Lärmerschütterungen ihren Aufenthalt in seiner Umgebung nicht gestatten. Auch das Jodeln ist in seiner Nähe einzustellen. Sonst teilt „der Apapa“ (Wolf, Walter u. Alma v. Goethe) den lärmenden „Dusselköpfen“ Knüppelsuppe nicht unter drei Tellern aus.

10) „Die Exzellenz“ (Johanna Schopenhauer) ist mit ‘Exzellenz’ anzureden. Wer Napoleon I. heißt, darf „Vous etes un homme!“ zu ihm sagen. Man lasse sich auf kein Trinkgelage ein; „er kann saufen wie eine Bestie!“ (Großherzog Carl August) Weitere Auskünfte für den Umgang mit „dem Gewaltigen“ (Franz Grillparzer) erteilen kostenlos Johann Peter Eckermann, Kanzler von Müller, Leibarzt Doktor Vogel sowie Diener Stadelmann. Und, gegen eine geringe Gebühr, der Stammtisch Unser Huhn.

27
Jun
11

Besuch bei Goethe

Von enormer Wichtigkeit

Zum Beispiel der junge Naturforscher Friedlieb Ferdinand Runge hat Goethe besucht. Er kam 1819 nach Weimar und stellte dem Chemiker Döbereiner seine Versuche vor. Sie bereiteten gemeinsam einen Spinat, der mit Bilsenkraut angereichert wurde. Der fertige Spinatbrei wurde in ein leinenes Läppchen getan und stark ausgepreßt. Nach sorgfältiger Abnahme des Fettes brachten sie ein weniges des gelbgrünen Saftes in das Auge einer Katze. Es dauerte nicht eine halbe Stunde, so zeigte sich die Wirkung durch Verwandlung der schmalen Sehspalte in ein ganzes rundes Sehloch. „Das ist alles von der höchsten Wichtigkeit!“, sagte Döbereiner. „Noch heute abend werde ich Goethe davon erzählen.“

Runge drückte schon im voraus seine rückhaltslose Bewunderung ab: “Goethe! Goethe! dachte ich, als ich nach Hause ging in Begleitung meiner drei Kätzchen, die das Mädchen in der Schürze hatte, dem Goethe will er von meinen Giftversuchen erzählen!“ Schon am nächsten Tag ließ Goethe ihn rufen.
Im geliehenen Frack, mit einem Philisterhut auf dem Kopf und einer Katze unter dem Arm machte er sich auf den Weg. Vorlaute Gassenbuben, die ob seines merkwürdigen Aufzuges riefen: „Der Doktor Gift kommt!“ schmetterte Runge mit dem Bemerken ab: „Ich habe einen wichtigen Gang, ich gehe zu Goethe!“
Der begrüßte ihn mit den Worten: „Ach so, das ist also der künftige Schrecken der Giftmischer? Zeigen Sie doch!“ Runge zeigte die schmale Spalte in dem einen einen Auge und das große runde Sehloch in dem andern Auge. Goethe bezeigte seine größte Zufriedenheit und übergab dem jungen Mann zum Dank mit den Worten „Auch diese können Sie zu Ihren Untersuchungen brauchen!“ eine Schachtel Kaffeebohnen.
Er hatte vorausahnend den rechten Griff getan; denn bald darauf entdeckte Runge das so berühmt gewordene Koffein! Sein dankbar nachschleichender Kommentar: „Goethe war nicht nur Dichter, sondern auch sinniger Naturforscher!“

27
Jun
11

Eine Kleinanekdote

INRI

Ein Antiquar aus dem Landkreis (jener, welcher über mehr als 300 000 Bücher verfügt) hat seine theologische Abteilung sortiert und was findet er? Ein Buch über Kreuzschmerzen.

Da legst dich nieder und stehst nimmer auf.

Übrigens wird in gewissen Gegenden das Kürzel INRI mit den Worten übersetzt:

“Ignaz Neidl, Regenschirmmacher von Ilschwang“.