Archive for the 'Hölderlin' Category

10
Apr
11

Des Himmels Schwanenhaut

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22
Jan
10

Land unter!

Hölderlinsche Schreckensvision

Das Ehepaar Helga und Winfried Buder stammt aus Ettlingen und war im April 1996 zu Gast in Tübingen. Nachher erzählten sie in einem Leserbrief: “Dann sind wir zum Hölderlinturm gegangen, doch da stand auf gut schwäbisch: ‚Closed‘. So ging diese Begegnung in die Hose.

Ganz anders erging es dem japanischen Botschafter Bunroka Yoshino, der 1980 in die Stadt kam. Ein Höldderlin-Verehrer. “Meine Sehnsucht war es, den Hölderlinturm zu sehen,“ tönte er vorher. Im Angesicht des Turms allerdings erlitt der Mann vor Rührung einen Schwächeanfall, wurde ohnmächtig und musste in die Klinik gebracht. Als es ihm besser ging, war keine Zeit mehr übrig und er musste zurück nach Bonn ins diplomatische Glied. Bunroka Yoshino starb vermutlich in einer Geißblattrankenhütte am Fuß des Berges Fujijama, schneebedeckten Haupts, mit einem Samurai-Säbel im Leib, gänzlich ohne den Hölderlin-Turm gesehen zu haben.

Eine Schreckensvision des Stammtischs Unser Huhn (Tübingen, Papstgaststätte) besagt: Es kommen etliche riesige Reisebusse in die Stadt, mit zweieinhalbtausend Personen Fassungsvermogen, fahren mehrfach unter Führung von OB Palmer ums Zacharias Zinser-Dreieck herum. Dann klettern sie alle, alle heraus und hasten, mit Videokameras und Photoapparaten bewaffnet, in Richtung Neckar. Mit dem Ziel Hölderlinturm. Abertausende. Und alles Japaner. Vor Aufregung schnatternd. Von oben und von unten strömen sie, über Eberhardsbrücke und Indianerstegle, aus allen Richtungen.

Der erste steht noch nicht vor der Tür, da machen sie sich allesamt im selben Moment vor lauter Rührung in die Hose. Bzw. Bundfaltenröcke.

Der Hölderlinturm! Die Sehnsucht!

Diesen plötzlichen ungeheuren Harndrang kann der Neckar nicht verkraften, er schwillt über und reißt alles mit sich, die Insel wird unterspült, ein reißender Strom nimmt die Platanen mit sich fort. Das Silcher-Denkmal wehrt sich noch eine Weile, dann taucht es unter, heroisch den rechten Arm erhoben. Man hört eine gespenstische Stimme gurgeln: Ich hatt‘ einen Kameraden. Bis es sich schließt , das Leichentuch der Wasseroberfläche.

Wir fragen die Stadtverwaltung, im Bewußtsein, „daß es keinen hundertprozentigen Schutz gibt“ (ZDF-Terrorismus-Experte Elmar Theveßen):

Hat die Stadtverwaltung für solche Katastrophenszenarien angemessene Pläne in der Chefschublade?
Sollten Japaner generell Einreiseverbot für Tübingen erhalten?
Stehen genügend Urinbeutel zur Verfügung?
Denkt man an die Verabreichung eines Anti-Rührungsserums vor Antritt der Reise?
Braucht man im Hölderlinturm-Eingangsbereich Nacktscanner?
Kann im Notfall die Bundeswehr eingreifen?
Es muss ja nicht gleich Oberst Klein sein.

19
Jan
10

Hölderlin zur Blog-Problematik

Chaos-Zitat

„Man könnte diese Litanei von Sonnenaufgang bis um Mitternacht fortsetzen und hätte kaum ein Tausendstel des menschlichen Chaos genannt. “ Ein Zitat von Friedrich Hölderlin. “Es gibt dickleibige Zitatenschätze im Weltmeer, mit denen man einerseits auf Erlösung wartende Menschen und andererseits auf Ernährung erpichte Mörderhaie totschlagen kann wie mit einer gefrorenen Axt.“ Wer hat das noch gesagt? Vermutlich wieder wir selbst. Der Stammtisch Unser Huhn (Tübingen, Papstgaststätte) Denn wer wäre sonst schon so blöd?

13
Jan
10

Zur Hölderlin-Frage

Wie es mit Hölderlin ist,
weiß keiner

Die Vegetarier ham Haferschleim,
Daniel Düsentrieb das Helferlein,
der Kohlhepp Kollegen Hämmerle,
die Biertrinker ihr Heinerle,
die Klofrau ihr Hundele,
der König Ubu einen Hermelin.
Das Tübingen hat seinen Hölderlin.
Aber wozu?

13
Jan
10

Was ist der Mensch?

Der menschliche Mittelknackpunkt

„Was ist der Mensch?“ Hölderlin stellte einst diese Frage in den mittleren Neckarraum. Aber hat der Gemütskranke sie auch beantwortet? Eher nicht, doch des Menschen Platz ist gut bekannt. Wenn die CDU-Schnabbeltante Annette Widmann-Mauz ihrer Partei auferlegt „Wir müssen zu den Menschen“, ist die Richtung klar. Denn der Mensch steht eindeutig „im Mittelpunkt“.

Frau Homburger („die mit der Stimme samst“) hat fest versichert, die FDP stehe für eine Umweltpolitik, in deren Mittelpunkt der Mensch stehe. „Mittelpunkt der Politik der CSU sind weiterhin der Mensch und seine Freiheit“, sagt die CSU. „Die Rechte“, eine Partei für Arbeit, Familie und Vaterland, gelobt in ihrem Programm: Im Mittelpunkt stehe der fleißige Mensch, der Leistungsträger. „Die Linke“ gibt bekannt: „Für uns steht der Mensch als Sozialwesen im Mittelpunkt moderner Verbraucherpolitik“. Bei der Bundeswehr bezieht man das Menschenzentrum auf den roten Punkt, der im G-36-Gewehr als optische Zielvorrichtung dient. Dem Menschen bleibt vielleicht gar nichts anderes übrig als der Mittelpunkt. Denn gleichfalls beim barmherzigen Johannes-Hospiz ist das sein Ort, bei Windows-Vista, bei Nokia, bei der Deutschen Krebshilfe sowie auch und gerade beim Pensionistenverband Vorarlberg. Und so weiter.

Überall, wo eine Zeile frei ist, steht darauf der Mittelpunktsmensch herum. Das ist ein würdevoller Umgang mit der Sprache. Eine „Sprache der Nobilität“ (Franz Josef Strauß) sozusagen. Neulich allerdings hat jemand, „ein Prozesshansl“ (Franz Josef Strauß), gegen das Wort „unantastbar“ im Verein mit der Menschenwürde wegen grober Sprachverletzung eine Klage in Karlsruhe eingereicht. Dabei legte doch der ehemalige Kriegsminister K.H. Jung beim Rekrutengelöbnis vor dem Reichstag direkt am „heiligen Vaterlandshügel“ (Hölderlin) den seligzusprechenden Schwur ab: „Das Handeln der Soldaten ist immer an die Verpflichtung des Staates gebunden, die unantastbare Würde des Menschen zu achten“.

Logisch: Wer im Mittelpunkt steht, kann ja nur unantastbar sein.
Auch sonst geht’s noch gut:

Die Wülste des Menschen sind abbaubar.
Wenn man sich an die Fastenzeitregeln hält.
Die Wirbel des Menschen sind einrenkbar.
Zahlreiche Bandscheibenvorfälle legen Zeugnis ab.
Die Würthschen Dübel sind für alle Menschen prima beschraubbar.
Die Würmer des Menschen sind kurierbar.
Die moderne Medizin macht es möglich.
Die Winde des Menschen sind ablassbar.
Man muss sich nur trauen.
Die Würste des Menschen sind abspülbar.
Dafür sorgt der Abwasserverband.
Die Wumme des Menschen ist nachladbar.
Der Waffenexport sichert schließlich Arbeitsplätze.

Oh Mensch, wir sollten den Würde-Trägern danken. Der Mensch als Mensch wie du und ich steht im Mittelpunkt. Hätte Hölderlin die Wahlprogramme der Parteien gelesen, wäre ihm die Gemütskrankheit eventuell erspart geblieben. Dann freilich hätte Tübingen keinen Hölderlin-Turm geerbt. Ätschi golätschi.

12
Jan
10

Am Tag nach dem „Tag des Apfels“

Gestern war der „Tag des Apfels“. Heute ist also der „Tag des Apfels“ vorbei.
Der Apfel fällt, wenn er nicht krank ist, erst vom Stamm, wenn er reif ist. Sagt Hölderlin. Auch Gedanken fallen manchmal unreif von den Bäumen. Sagt Wittgenstein. AlanTuring, auf der Homosexualität ertappt, biss in einen Apfel mit Zyankali. Ach, es gäbe so viel noch zu sagen von den Äpfeln. Warum kann nicht jeder Tag „Tag des Apfels“ sein? Ganz klar, weil auch einmal ein „Tag der Pflaume“ eintreten muss und der „Tag der mystischen Aprikose“ im Jahreslauf nicht fehlen darf.

11
Jan
10

Der Hölderlin-Schlitz …

… Oder: Ein bescheidener Vorschlag des Stammtischs Unser Huhn (Tübingen, Papstgaststätte) zur Hebung des Fremdenverkehres

Man soll vor dem Hölderlinturm einen künstlichen Menschen aufstellen, der in Gesichtsbildung und Statur dem alten Hölderlin bis auf I-Tüpfelchen gleicht. Auf dem Kopf trägt der künstliche Hölderlin einen schönen, schwarzen, künstlichen Schlapphut. Wenn die Hölderlin-Tagestouristen – und an diesen mangelt es nicht- in einen Schlitz an diesem künstlichen Hölderlin ein Eurostück werfen, so lässt sich der künstliche Hölderlin zu tiefen Verbeugungen herbei und zieht ehrerbötig den künstlichen Hut. Der künstliche Hölderlin spricht dazu mit tröstlicher Stimme sein künstlichstes Gedicht. Das erfreut auch den unkünstlerischsten Touristen, der Fremdenverkehr wird ausgebaut und vertieft und die fidele Stadtkämmerei hat auch ihren Spaß. Man muss nur noch überlegen, wo genau am künstlichen Hölderlin der Schlitz angebracht werden soll. Eine malerische Stelle sollte es aber sein. Da müssen wir darauf bestehen.




Unser Huhn

tempus fugit

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